Das verpflichtende Barrierefreiheits- stärkungsgesetz (BFSG)

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz wird ab Juni 2025 u.a für Onlineshops verpflichtend und somit auch für PrestaShop Betreiber. Erfahren Sie in diesem Blog alles über die neuen Anforderungen, die Umsetzung in der Praxis und welche Leistungen zukünftig Menschen mit Behinderungen eine barrierefreie Nutzung von Dienstleistungen und Produkten ermöglichen.

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)

Auf Basis einer EU-Richtlinie zur Stärkung der Barrierefreiheit für Verbraucherprodukte und -dienstleistungen wurde in Deutschland 2021 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) erlassen. Das BFSG betrifft Hersteller, Händler und Importeure bestimmter Produkte sowie Dienstleistungserbringer. Es gilt für Produkte, die nach dem 28. Juni 2025 in den Verkehr gebracht werden, sowie für Dienstleistungen, die nach dem 28. Juni 2025 erbracht werden. Das Gesetz enthält Regelungen für Produkte und Dienstleistungen, insbesondere mit Fokus auf digitale Angebote.

Als Shopbetreiber können Sie verschiedene Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass Ihr Online-Shop den Anforderungen dieses Gesetzes entspricht und für alle Benutzer zugänglich ist.

Nachfolgend geben wir Anregungen für präventive Maßnahmen:

1. Barrierefreie Webdesign-Prinzipien umsetzen

  • Klare Struktur und Navigation: Verwenden Sie eine klare, logische Struktur und einfache Navigation, damit Nutzer leicht finden, was sie suchen.
  • Kontrastreiche Farben: Stellen Sie sicher, dass Texte und Hintergrundfarben ausreichend Kontrast bieten, um für Menschen mit Sehbehinderungen lesbar zu sein.
  • Skalierbarer Text: Ermöglichen Sie Benutzern, die Textgröße ohne Verlust der Funktionalität zu ändern.

2. Zugänglichkeit für Bildschirmleser sicherstellen

  • Alt-Texte für Bilder: Fügen Sie beschreibende Alt-Texte für alle Bilder hinzu, damit Benutzer, die Bildschirmleser verwenden, den Inhalt verstehen können.
  • Formulare richtig beschriften: Stellen Sie sicher, dass alle Formularelemente korrekt beschriftet sind und mit den entsprechenden Labels versehen sind, damit Bildschirmleser diese korrekt interpretieren können.

3. Tastaturnavigation ermöglichen

  • Tab-Reihenfolge: Sorgen Sie dafür, dass alle interaktiven Elemente (Links, Schaltflächen, Formulare) in einer logischen Tab-Reihenfolge navigierbar sind.
  • Fokus-Indikatoren: Stellen Sie sicher, dass der Fokus-Indikator sichtbar ist, wenn Benutzer mit der Tastatur durch die Website navigieren.

4. Multimedia-Inhalte zugänglich machen

  • Untertitel für Videos: Bieten Sie Untertitel für alle Videos an, damit Menschen mit Hörbehinderungen den Inhalt verstehen können.
  • Transkripte für Audio-Inhalte: Stellen Sie Texttranskripte für alle Audio-Inhalte bereit.

5. Responsive Design

  • Mobilgeräte: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Online-Shop auf verschiedenen Geräten (Smartphones, Tablets, Desktops) zugänglich und nutzbar ist.
  • Flexibles Layout: Verwenden Sie flexible Layouts und Bilder, die sich an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen.

6. Barrierefreiheitstests und Audits

  • Automatisierte Tests: Nutzen Sie Tools wie WAVE oder Axe, um Ihre Website regelmäßig auf Barrierefreiheit zu testen.
  • Manuelle Tests: Führen Sie manuelle Tests durch, um sicherzustellen, dass die Website für Benutzer mit verschiedenen Behinderungen zugänglich ist.
  • Benutzerfeedback: Holen Sie regelmäßig Feedback von Benutzern mit Behinderungen ein und nutzen Sie dieses, um Ihre Website zu verbessern.

7. Schulung und Sensibilisierung

  • Schulung: Schulen Sie Ihr Team in den Prinzipien der Barrierefreiheit und machen Sie es mit den Anforderungen des BFSG vertraut.
  • Bewusstsein schaffen: Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für die Bedeutung von Barrierefreiheit und Inklusion im digitalen Raum.

8. Barrierefreiheits-Erklärung

  • Erklärung bereitstellen: Veröffentlichen Sie eine Barrierefreiheitserklärung auf Ihrer Website, in der Sie die Maßnahmen zur Barrierefreiheit erläutern und Kontaktdaten für Feedback oder Probleme angeben.

9. Anpassung der Inhalte

  • Einfache Sprache: Verwenden Sie klare und einfache Sprache, um Inhalte zugänglich zu machen.
  • Bildbeschreibungen: Fügen Sie beschreibende Texte zu Bildern und Grafiken hinzu, damit alle Benutzer den Kontext verstehen können.

10. Rechtliche Beratung und Compliance

  • Rechtsberatung: Konsultieren Sie einen Anwalt oder Berater, der auf Barrierefreiheitsgesetze spezialisiert ist, um sicherzustellen, dass Ihr Online-Shop alle rechtlichen Anforderungen erfüllt.
  • Aktualisierungen verfolgen: Bleiben Sie über aktuelle Gesetzesänderungen und Best Practices informiert, um kontinuierlich compliant zu bleiben.

Durch die Umsetzung dieser Maßnahmen stellen Sie sicher, dass Ihr Online-Shop den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes entspricht und für alle Benutzer zugänglich ist. Dies verbessert nicht nur die Benutzererfahrung, sondern öffnet auch Ihren Shop für eine breitere Kundengruppe.

Fristen

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist ab dem 28. Juni 2025 anzuwenden, das heißt ab diesem Zeitpunkt müssen die im Gesetz erwähnten Produkte und Dienstleistungen barrierefrei sein. Für einige Produkte und Dienstleistungen gibt es jedoch Übergangsbestimmungen, nach denen die Barrierefreiheitsanforderungen erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt sein müssen. Sie sind unter § 38 BFSG nachzulesen. So gibt es für bestimmte Dienstleistungen eine Übergangsfrist von fünf Jahren, für Selbstbedienungsterminals wiederum eine Übergangsfrist von 15 Jahren.

Ausnahmen

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) sieht bestimmte Ausnahmen vor, um den besonderen Umständen und Herausforderungen verschiedener Unternehmen und Dienstleistungen Rechnung zu tragen. Diese Ausnahmen sind wichtig, um sicherzustellen, dass das Gesetz praktikabel und umsetzbar bleibt, insbesondere für kleinere Unternehmen und in spezifischen Situationen. Der Beitrag unseres Kooperationspartners IT-Recht Kanzlei bietet im Allgemeinen einen sehr profunden und detaillierten Überblick rund um Anforderungen, Ausnahmen, gesetzliche Auflagen usw.

Wichtige Hinweise für die AGB

Um sicherzustellen, dass Ihr PrestaShop den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) und anderer relevanter Vorschriften entspricht, sollten Sie bestimmte Informationspflichten in Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) aufnehmen. Diese Informationspflichten gewährleisten Transparenz und helfen dabei, die Rechte von Kunden mit Behinderungen zu schützen.

Wesentliche Informationspflichten

  1. Barrierefreiheitserklärung:
    • Eine klare Erklärung, dass Ihr Online-Shop den Anforderungen des BFSG entspricht und welche Maßnahmen zur Barrierefreiheit umgesetzt wurden.
  2. Kontaktinformationen:
    • Deutliche Angabe von Kontaktinformationen, über die Kunden mit Behinderungen Unterstützung erhalten können. Dazu gehören E-Mail-Adresse, Telefonnummer und ggf. eine barrierefreie Kontaktmöglichkeit (z. B. Live-Chat, Texttelefon).
  3. Beschwerdeverfahren:
    • Informationen darüber, wie Kunden Beschwerden über Barrieren oder Mängel in der Barrierefreiheit einreichen können, sowie eine Beschreibung des Verfahrens zur Bearbeitung solcher Beschwerden.
  4. Rechte der Kunden:
    • Erklärung der Rechte der Kunden im Hinblick auf Barrierefreiheit und wie sie diese Rechte geltend machen können.
  5. Produkt- und Dienstleistungsinformationen:
    • Hinweise darauf, welche Produkte und Dienstleistungen barrierefrei sind und welche besonderen Merkmale oder Anpassungen vorhanden sind.
  6. Barrierefreie Nutzungsbedingungen:
    • Informationen darüber, wie Kunden mit Behinderungen Ihre Website und Ihre Dienstleistungen barrierefrei nutzen können, einschließlich der Nutzung von assistiven Technologien.
  7. Technische Unterstützung:
    • Angaben dazu, wie technische Unterstützung für Kunden mit Behinderungen bereitgestellt wird, insbesondere wenn sie Schwierigkeiten haben, auf Inhalte oder Dienstleistungen zuzugreifen.


Diese Informationspflichten sollten in Ihren AGB klar und deutlich formuliert sein, um die Transparenz und Rechtsklarheit für alle Kunden zu gewährleisten. Es ist zudem empfehlenswert, Ihre AGB regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. Sie können diese zeitintensive Arbeit aber auch deutlich einfacher gestalten:

Um sicherzustellen, dass Ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) stets den aktuellen rechtlichen Anforderungen entsprechen, bieten wir einen besonderen Service in Zusammenarbeit mit der renommierten Kanzlei IT-Recht aus München an. Die IT-Recht Kanzlei Schnittstelle für PrestaShop wurde in Zusammenarbeit mit der Kanzlei entwickelt und lässt sich ganz einfach in Ihren PrestaShop integrieren.

Ihre AGBs und anderen Rechtstexte werden automatisch aktualisiert und entsprechen stets den aktuellen rechtlichen Vorgaben. Gegen eine geringe monatliche Gebühr erhalten Sie kontinuierlich aktualisierte Rechtstexte ohne zusätzlichen Aufwand. Dazu ist nur der Modulkauf notwendig und ein Abovertrag mit der Kanzlei zu schließen. Profitieren Sie von der Expertise der IT-Recht Kanzlei und minimieren Sie das Risiko von Abmahnungen.

Fazit

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt für Online-Shops, um digitale Barrierefreiheit zu gewährleisten und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu fördern. Durch die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen und die Umsetzung von Barrierefreiheitsmaßnahmen können Online-Shops nicht nur rechtliche Risiken minimieren, sondern auch ihre Zielgruppe erweitern, die Kundenzufriedenheit erhöhen und ein positives Unternehmensimage aufbauen.

Lesenswerte Quellen

Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates über die Barrierefreiheits­anforderungen für Produkte und Dienstleistungen (BFSG)
Hinweis zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)
Web Content Accessibility Guidelines
Verpflichtende Barrierefreiheit von Online-Shops ab Juni 2025: Umfangreiche FAQ